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Prophet des Waldes – Adrian Zingg in Dresden


Klaffende Felsschluchten, reißende Bäche, düstere Tannen und Eichen. Die Landschaften des schweizerischen Kupferstechers Zingg lassen einen bis heute das Glühen des Vorabends der Romantik spüren. Zingg hat wohl, wie kaum ein anderer damals, die deutsche Kultur beeinflusst. Er ist der Prophet des deutschen Waldes. Wandernd mit Malerfreunden wie Anton Graff, stach er in bedrohlichen Waldeinöden Böhmens und Sachsens seine einmaligen Heimatmeditationen – pastorale Stiche und bukolische Sepiazeichnungen. Angeregt von Dresdner Künstlerfreunden wie Christian Wilhelm Ernst Dietrich, schuf er wichtige Anregungen für einen neuen Kunstbegriff. Diesem folgend, begründeten später dann Friedrich, Carus oder Dahl die neue Landschaftsmalerei der deutschen Frühromantik.  


Adrian Zingg - Wegbereiter der Romantik
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
17. Februar - 6. Mai 2012
Kupferstich-Kabinett, Residenzschloss


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Gerhard Richter – Atlas


In Gerhard Richters Atlas stoßen wir auf eine ungeheure Ansammlung von Denkansätzen und Entwürfen für vollendete oder nie gemalte Bilder. Und auch hierbei fällt auf, neben den Bildideen, die dem Betrachter bekannt erscheinen, finden sich auch weniger bekannte Formate. Motive aus der damaligen Pressewelt. Ob nun Aufnahmen von KZ-Häftlingen oder Fotos vom vermeintlichen Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald. Viele „News“ aus der BRD der Sechziger sind jedoch nicht mehr rekapitulierbar. Bei einigen Motiven handelt es sich auch um wieder abfotografierte Bilder des Künstlers. Somit wird dem Betrachter der konsequente Transformationsprozess offenbar, der Richters Arbeit so sehr bestimmt. Fotos von Zeitungsausschnitten werden akribisch gesammelt, mit einem Raster versehen, abfotografiert, wieder verworfen und schließlich erneut fotografisch reproduziert um schließlich gemalt zu werden. Diese ständige Transformation vergegenwärtigt Richters Arbeitsweise. Bei einigen Motiven wird dabei direkt mit der mehrdeutigen Darstellbarkeit einzelner Motive gespielt. So beispielsweise Richters „Akt auf der Treppe“. Im Original sehen wir das Bild eines abgemalten Fotos, dessen Titel als Anspielung auf Duchamps legendäre Zäsur der visuellen Darstellbarkeit zurückzuführen ist. Richter stellt das futuristische Vorbild fotorealistisch nach. Diese Reduzierung auf das Ursprüngliche lässt etwas Neues entstehen. Doch Richter treibt den Veränderungsprozess weiter. Das entstandene Bild wird erneut abfotografiert allerdings unscharf und mit sukzessiven Konturen. Das Ergebnis ist ein Bild, das dem duchampschen Vorbild wieder näher zu sein scheint. Der Akt wirkt plötzlich wie in Zeitraffer aufgenommen also wie chronofotografisch. Die entstandenen Bewegungslinien sind jedoch auf die bewegte Kamera während der Aufnahme zurückzuführen. Diese Form des spielerischen Entwerfens und visuellen Diskurses erlaubt es uns, mit dem Atlas an Richters Gestaltungsprozessen teilzuhaben und Einblick in sein Bildbewusstsein zu erfahren. 


Gerhard Richter – Atlas
Staatliche Kunstsammlungen Dresden in Zusammenarbeit
mit dem Lenbachhaus, München
4. Februar - 22. April 2012
Kunsthalle im Lipsiusbau


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Neue Sachlichkeit in Dresden


In den 20´er Jahren begann man in Dresden die realistische Malerei neu zu definieren. Die jungen Maler um Otto Dix verstanden sich als unerbitterliche und schonungslose Chronisten ihrer Zeit. Während sich die Avantgarde gerade erst zu entwickeln begann, und Fauves und Dadaisten sich in Berlin mit Abstraktion, Exzess und Entbürgerlichung der Kunst beschäftigten, entschlossen sich die Veristen für den kritischen Blick. Ihre konservative Ausbildung an der anachronistischen Akademie kam ihnen da gerade recht. Auch die verheerende Wirkung der Hyperinflation wussten sie gezielt zu thematisieren. Was in diesen Tafelbildern jedoch schonungslos gezeigt wird, ist keinesfalls reißerische Überhöhung oder plumpe Krisenschilderung. Die Gemälde und Zeichnungen enthüllen förmlich Missstände, die allzu gerne unter den Tisch gekehrt werden. Gesellschaftliche Zusammenhänge, bürgerliche Abgründe oder zutiefst widersprüchliche Politik werden somit sichtbar. Die Kunst des Sichtbarmachens ist es, was in Dresden früh geübt wird. Die Maler nehmen die Rolle kritischer Journalisten ein und beziehen radikal Position. Derartiges politisches Outing wäre gerade heute in den bildenen Künsten undenkbar. Ob nun der Eingang des Dresdner Gefängnisses oder übergewichtige, bulldoggenähnliche Kunstprofessoren, ob Prostituierte im Rentenalter oder verstümmelte Kriegskrüppel. In den Bildern scheint alles realer als die Realität zu sein, den Realismus ist nicht wie die wirklichen Dinge sind, sondern wie die Dinge wirklich sind, sinnierte Brecht. Diese Bewegung macht Schluss mit den großen Erwartungen der Moderne. Es erscheint heute wie Kunst als interventives Moment in einer Gesellschaft, die zur Fratze verkommen zu sein schien. Hat sich die Welt auch nicht wesentlich verändert, so wirkt diese Form der künstlerischen Berichterstattung und kunstpolitischen oder kulturkritischen Parteinahme überdeutlich, schonungslos, brutal und messerscharf. Heute unvorstellbar und doch scheinbar brandaktuell – die Malerei der Kritischen Veristen und der Neuen Sachlichkeit in Dresden.

 
Neue Sachlichkeit in Dresden,
Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner
Eine Ausstellung der Galerie Neue Meister
1. Oktober 2011 bis 8. Januar 2012
Kunsthalle im Lipsiusbau


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Bildforschung: Farbraum


Sophia Schama – Boomerang
Malerei in der Städischen Galerie im Landhaus Dresden 1998–2011 Die erste museale Einzelausstellung der Malerin (*1966 in Sofia) zeugt breit gefächert vom umfassenden Verständnis malerischer Kontexte obsessiver Bildermacherei. Schama löst in halbabstrakten bis figurativen Motiven ihre Bilderwelt auf und thematisiert ihr proklamiertes „Recht auf Blindheit“. Grashalme werden zu expressiven Röhren, abstrakte, verwischte Farbfelder zu barocken Bildräumen, auf denen plötzlich rote Passkreuze aufleuchten. Zoologische Tierportraits flimmern in poppigen Hochfrequenzfarben, auf transparenten Planen entstehen abstrakten „Farbspielplätze“. Eine gewisse Nähe zu Ronald de Bloeme ist nicht zu leugnen, wird der Künstler doch ebenfalls von der Harmish-Morrison-Galerie vertreten. Bleibt zu fragen, ob die farbtechnische Brillanz die Möglichkeit einhergehender Bildforschung blockiert?
Boomerang – eine Schau umfangreicher Art, die eine tiefgreifende Begegnung mit dem Farbkosmos der Schama ermöglicht.   


--> Bilderstrecke


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Dresden rockt mit Havekost


Die neue Ausstellung im Lipsiusbau führt uns den Künstler monochromer und sachlicher und somit in einem neuen Licht vor. Havekost zeigt nun gemalte weiße Wände, die wiederum auf einer weißen Museumswand zu sehen sind. Da ist vielleicht noch ein Kamerablitzlicht zu erkennen, mehr nicht. Diese Malerei kündet von der Abwesenheit der Malerei, wie auch der Künstler bestätigt. Außerdem sind psychedelische Farbfelder zu sehen, die tatsächlich allesamt verschwommen und unscharf das Fernsehprogramm eines Spartenkanals auf einem Flachbildschirm abbilden. Vollkommen anderer Mittel scheint sich ein weiterer Zyklus zu bedienen, welcher Baumstümpfe im Wald zeigt. Der Bildermacher bricht hier mit seiner Art, die Dinge glatt mit verwischten Konturen und hauchdünner Farbe als Benutzerschnittstelle erscheinen zu lassen und erzeugt nun auch stumpfe Oberflächen mittels einer fast impressiv wirkenden Malweise. Bei all dem wird einem schnell klar – Havekosts Universum versucht uns schon seit längerem, nicht ohne Ironie natürlich, zu zeigen, wie das Medienzeitalter Realität ad absurdum führt und damit eine neue Realität schafft – die Diktatur der Bilder.



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